Meine Meinung von Stefan Halanke im Gäuboten vom 17.9.2025
Stellen Sie sich vor, dass Ihre Kinder bis nachmittags auch in der Schule betreut sind, dass sie ihre Hausaufgaben bereits gemacht haben, dass sie bei Problemen in- dividuelle Förderung erhalten und mit Freude am nächsten Tag wieder in die Schule gehen, weil ihre Theater- oder Musical-Proben so packend sind oder ihr praktisches fächerübergreifendes Projekt so viel Freude bereitet.
Das alles könnte mit den Ganztagsschulen, auf die Sie ab 2026 einen Rechts- Anspruch haben, Wirklichkeit werden.
Die Ergebnisse von Bildungsuntersuchungen sind sehr ernüchternd: Die Leistungen vieler Schülerinnen und Schüler in Lesen und Rechnen werden immer schlechter, und die soziale Ungleichheit in den Bildungschancen wird immer größer. Für ein Land, das auf die Fähigkeiten aller seiner jungen Menschen angewiesen ist, ist das ein Armutszeugnis.
Mit dem Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz ab 2026 wird nun ein neuer Versuch unternommen, Kinder individueller zu fördern, mehr Bildungsgerechtigkeit herzustellen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Dabei haben die Kommunen beziehungsweis die Schulen flexible Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Modellen, den Ganztag zwischen drei bis fünf Tagen in der Woche und zwischen sieben und acht Stunden pro Tag anzubieten. Außerdem kann zwischen einer verbindlichen Form, an der alle Schüler teilnehmen müssen und einer freiwilligen gewählt werden.
Schulbeirat und Gemeinderat Herrenberg favorisieren die verbindliche Form, weil nur über sie die Vorteile einer Ganztagsschule für alle erzielt werden können. Zunächst sollen in drei städtischen Clustern Süd, Mitte und Nord solche Angebote in den Schulen entstehen. Lange schien es so, dass Bund und Land erneut diese weitere Aufgabe den Kommunen ohne ausreichende Finanzierung hinschieben. Jetzt aber scheint eine Einigung erzielt worden zu sein. Auf bis zu 15 zusätzlichen Lehrerstunden pro Ganztagsgruppe haben die Schulen Anspruch, was aber nur etwas nützt, wenn die Lehrkräfte tatsächlich auch zur Verfügung stehen. Schulen benötigen mehr Zeit und mehr Personal, wenn sie den Anforderungen durch eine immer heterogenere Schülerschaft gerecht werden wollen. Wir in Herrenberg sollten nun rasch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Ganztagsschulen auch gelingen können. Lasst uns die Chancen von Ganztagsschulen auch in Herrenberg ergreifen.
Stefan Halanke SPD-Fraktion Herrenberg