"Meine Meinung" von Bodo Philipsen im Gäuboten vom 21.11.2024
Ich kann die Verzweiflung vieler junger Menschen verstehen: Wir erleben immer mehr und immer schlimmere Überschwemmungen, Waldbrände, Stürme und Dürren in der Welt. Die Kosten der Schäden liegen schon bei vielen Milliarden. Die Durchschnittstemperatur auf der Welt ist die höchste je gemessene, und wir haben das Ziel einer 1,5-Grad-Erhöhung bereits überschritten. Und dennoch werden weltweit mehr fossile Energien verbrannt, mehr CO2 aus- gestoßen als je zuvor. Der Weltklimarat hat deswegen die höchste Warnstufe ausgerufen.
Trotzdem rückt das Thema Klima- schutz immer mehr in den Hintergrund. Die Sorgen um Wachstum und Wohlstand in den Vordergrund. So auch in Herrenberg. Wir sind drauf und dran, die Etappenziele unseres Klimafahrplans zu verfehlen. Wir sind zwar beim Ausbau regenerativer Energiequellen mit Wind und Photovoltaik auf einem passablen Weg, wenn es auch manchen im Gemeinderat alles viel zu schnell geht. Bei der Reduzierung des Energieverbrauchs sind wir aber weit hinterher. Je ein Drittel der Energie in Herrenberg wird von den privaten Wohnungen, dem Gewerbe und dem Verkehr verbraucht. In allen drei Bereichen verzeichnen wir keine oder viel zu geringe Reduzierungen. Die Entwicklung im gewerblichen Bereich haben wir statistisch nicht einmal erfasst, im Wohnungsbestand verfehlen wir eine erforderliche Sanierungsquote von zwei Prozent deutlich und beim Verkehr herrscht absoluter Stillstand. Nicht einmal die beschlossene Evaluation von Imep soll jetzt aufgrund Personalmangels erfolgen. Was ist eigentlich aus der aktiven Rolle der Stadtwerke geworden, was aus der Nahwärmeplanung, was aus dem Rad-Innenstadtring oder den Fernradtrassen, was ist mit dem Ausbau von Ladestationen auch für Mieter, was ist aus unserem Antrag geworden, energetische Sanierungen der Wohnungen durch einen privaten Klimafonds schneller umzusetzen? Gerade auch für unseren Haushalt ist es gut, jetzt ja nicht zu bremsen.