Herrenberg – mutig denken“, das versprachen die Freien Wähler im Wahlkampf. Doch was bedeutet das in der Kommunalpolitik? Fragen wir den Duden: Mut ist die Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteile etwas zu tun, was man für richtig hält. Also steht am Anfang, dass man klärt, was man für richtig hält. Mit unserem Leitbild haben wir über die Ziele Einigkeit geschaffen. Unschwer kann man erkennen, wie viel Mut erforderlich ist, diese Ziele auch tatsächlich zu erreichen. Und ich stimme den Freien Wählern ausdrücklich zu, Denkblockaden oder Denkverbote können wir da nicht gebrauchen. Wenn unsere Altstadt überleben will, dann braucht sie Luft, dann braucht sie Unterstützung und Vernetzung mit den umliegenden Stadtquartieren. Dies alles geht aber nicht, wenn Zehntausende von Autos jeden Tag mitten durch unsere Stadt fahren. Dann wird die Altstadt stranguliert.
Also denken wir einmal mutig, denken tabufrei, spinnen also. Wir machen aus dem Schickplatz eine verkehrsberuhigte Zone, auf der nur noch der Bus, die Radfahrer und einige wenige Autos fahren. Die Fußgänger überqueren ihn überirdisch auf einer Flaniermeile vom Bahnhof zum Marktplatz, ein Café lädt zum Verweilen ein. Mehr: Auch die Seestraße, die Hindenburgstraße und die Horber Straße Mutig handeln sollen die Fußgänger zum Bummeln einladen, sollen endlich von Feinstäuben und Lärm entlastet werden. Bus, Rad und Fußgänger haben Vorfahrt. Dann könnte endlich unsere Innenstadt zusammenwachsen und das Leben und Einkaufen jenseits der aktuellen Verkehrsachsen könnte auch die Altstadt beleben. Dafür muss aber der Autoverkehr raus. Schwierig, wenn man weiß, dass nur 1/3 aller Autofahrten Durchgangsverkehr ist, alle anderen also in die Stadt selbst wollen. Unser Vorschlag: Verlängern wir den Umfahrungsring um Herrenberg vom Spitalwald runter zum Ackermannkreisel, lassen auf den Stichstraßen nur noch Verkehr zu bis zu den Parkmöglichkeiten, die wir an jeder Achse schaffen (zum Beispiel neben der Volksbank). Von dort kann man dann bequem in die Stadt zu Fuß. Alle, die am Rande der Stadt wohnen, sollen schnell und bequem auf den Ring gelangen, um Ziele außerhalb von Herrenberg zu erreichen. Eine Vorstellung, die mir sehr sympathisch ist. Fragen wie, was kostet uns das, ist das überhaupt ökologisch verantwortbar, wie lange würde das dauern, welche Quartiere würden abgehängt oder welche Umwege entstehen, müssen geprüft werden. Leider hat das bisherige Verkehrsgutachten diese Fragen nicht beantwortet, obwohl wir dies schon lange fordern. Gut möglich, dass unser Vorschlag nicht realisierbar ist, aber wir müssen ihn zumindest untersuchen. Was der Verkehrsgutachter bisher vorschlägt, ist teuer, bringt wenig und baut sogar neue größere Barrieren zur Weststadt auf. Also weg mit den Denkbarrieren, mutig alle Alternativen denken. Ich denke gerne mutig. Das habe ich die letzten fünf Jahre als Gemeinderätin getan, das werde ich auch weiterhin so machen. Schön, wenn sich andere Fraktionen anschließen. Entscheidend für mich ist aber nicht nur mutig zu denken, sondern dann auch mutig zu handeln.