Zur Erinnerung an Manfred Ruckh

Veröffentlicht am 16.03.2020 in Allgemein
 

Die Nachricht

Die Nachricht erreichte die SPD Waldenbuch am Vormittag des vergangenen Samstags und machte viele private Planungen trotz der immensen Wichtigkeit wegen „Corona“ mit einem Schlag zweitrangig: die Nachricht, dass Manfred Ruckh am frühen Morgen gestorben war.

 

Wir wussten alle seit zehn Monaten von seiner ernsten Krankheit, doch war er sich in all der Zeit treu geblieben. Als handelte es sich um eine vorübergehende Erkältung kümmerte sich Manfred Ruckh wie gewohnt um die Belange seiner Ämter in der SPD am Ort und im Kreis Böblingen.

 

Und so leitete er auch bis zuletzt die Sitzungen, organisierte die Dinge um die anstehenden Termine des neuen Jahres und schaute nach vorne. Zuletzt am 15. Februar, als er seine Bereitschaft zur erneuten Kandidatur als Vorsitzender der Waldenbucher SPD ankündigte.

 

Dann wurde es ruhiger um ihn. Man sah das als Routine-Vorgang seiner therapeutischen Notwendigkeiten. Um so größer dann die Wucht jener unerwarteten Nachricht, die alle seine Mitstreiter auf den verschiedenen Ebenen von der Kommune bis zum Land in Trauer versetzte.

  

Sozialdemokratische Grundüberzeugung

Manfred Ruckh, beruflich hervorgegangen aus dem Handwerk, später tätig als Sozialsekretär, hatte eine biografisch angelegte und entwickelte sozialdemokratische Überzeugung, die er bis ins Alter unerschütterlich behielt und öffentlich vertrat. Als Vorsitzender, als Gemeinderat, als Kreisrat. Mit knapp 70 Jahren verfehlte er im Frühjahr 2019 knapp den Wiedereinzug in den Böblinger Kreistag, in dem er über Jahre leidenschaftlich mitgearbeitet hatte.

 

Die Wirkung ist noch frisch, doch schon jetzt weiß man in der Waldenbucher SPD, dass der personelle Verlust groß ist. Der Tod von Manfred Ruckh reißt eine riesige Lücke. Sie zu schließen wird eine schwere Aufgabe im konkurrierenden Feld des politischen Wettbewerbs sein.

  

Maß und Mitte

Die SPD Waldenbuch ist ein Ortsverein in einer kleinen Stadt. Wir haben eine Randlage in der Metropolregion Stuttgart. Die politische Ausstrahlung hier ist nicht so reizvoll, wie es die landschaftliche ist. Will man Einfluss auf die große Politik erreichen, so erfordert das viele Zwischenschritte. Wenn wir unsere Lage nüchtern betrachten, dann bleibt uns eben auf den ersten Blick nur diese Rolle am Rande. Was ist da zu tun?

 

Manfred Ruckh hatte darauf die passende, angemessene Antwort. Er ist als Vorsitzender nicht politischen Träumen nachgehangen und wollte nicht gegen die natürlichen Beschränkungen vergeblich anrennen. Dennoch waren sein Rezept zu führen und der Wille zu gestalten anspruchsvoll und erfolgreich zugleich. Mit diesem haben wir uns einen guten Namen erworben und wurden bekannt landauf, landab, die SPD Waldenbuch hat Profil innerhalb des Landesverbandes. Das Rezept hieß: Vermittlung.

 

Zahlreiche Veranstaltungen, häufig im Jahresrhythmus, führten renommierte Politiker, Parlamentsabgeordnete vom Land bis hin nach Straßburg und auch Minister verschiedenster Zuständigkeiten in den Schönbuch. Sie alle gaben dem kleinen Ortsverein, seinen Mitgliedern und dem interessierten lokalen Publikum einen unmittelbaren Einblick in die je aktuellen Zusammenhänge der großen Politik. Vom Land bis nach Europa. Und die traditionellen Neujahrsempfänge boten Experten alljährlich eine Bühne für fundierte Information zu drängenden Fragen der Zeit.

 

Das war ein gangbarer, nachhaltiger Weg, dessen Richtung Manfred Ruckh zum einen von seinen Vorgängern übernommen, aber auch selbst gebahnt und vermessen hat. Denn er blieb hier konsequent. Er hielt  das Maß. Er hielt die Mitte zwischen den Extremen hinterwäldlerischen Denkens und politischer Großspurigkeit. Die Mitte, mit der Besinnung auf die eigenen Möglichkeiten, mit der Selbstbeschränkung auf das Maß der Mitte, nicht der  Mittelmäßigkeit.

 

Dieses Besinnen auf die wahren Möglichkeiten, gepaart mit einer nicht versiegenden Bereitschaft, sich für die Idee der Sozialdemokratie in der Welt der unmittelbaren Nachbarschaft einzusetzen, dies gibt den Blick frei auf die Leistung von Manfred Ruckh für die Waldenbucher SPD.

 

Bleibendes Gedenken

Manfred Ruckh stand eineinhalb Jahrzehnte der Waldenbucher SPD vor. Und die Weichen waren bis zuletzt auf Kontinuität gestellt, auf eine Fortsetzung des gemeinsamen Weges. Dieser Weg ist an sein Ende gekommen.

 

Wir sind Manfred Ruckh dankbar für diese Gemeinsamkeit und nehmen sein Wirken, das in Waldenbuch über die SPD hinaus auch anderen Feldern des bürgerlichen Engagements galt, als Vermächtnis und werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

 

Harald Jordan

 

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