Herrenberg: Engagierte Beteiligung der SPD-Mitglieder bei Versammlung
Von Petra Gieseler
Der idyllische Versammlungspunkt, die Grillhütte Oberjesingen, den die SPD Herrenberg mit der Aussicht auf einen Grillabend ausgesucht hatte, um sich corona-konform versammeln zu können, blieb kein Garant dafür, dass heikle Tagesordnungspunkte nicht angesprochen oder gar gemieden wurden.
Vorsitzende Petra Menzel gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass man sich nach über einem Jahr nun endlich wieder persönlich habe treffen können. Dann ließ sie die beiden vergangenen Jahre kurz Revue passieren und hob die Jahreswanderung 2019 lobend hervor. Ihr Dank richtete sich dabei an Beisitzerin Palmira Angelucci. Sodann rief sie Veranstaltungen im März 2020 mit Jasmina Hostert sowie mit Hubertus Heil in Erinnerung.
Waren bis Juni 2020 noch persönliche Zusammenkünfte möglich, musste man sich fortan via Videokonferenzen untereinander austauschen. Dennoch ein Lob: „Der neue Vorstand arbeitet gut und ideenreich.“ Die Vorsitzende beleuchtete den Stadtspaziergang in Herrenberg mit Jan Hambach und die Vorbereitungen für dessen Nominierung bei Landtagswahl auf Kreisebene. Voller Anerkennung berichtete Petra Menzel über den Online-Landesparteitag in Freiburg.
Mit 105 Mitgliedern (ein Drittel Frauen, zwei Drittel Männer) sei man der drittgrößte Ortsverein im Landkreis und im Wahlkreis Böblingen. „Die Zahl der Mitglieder ist einigermaßen stabil geblieben. Es gab Austritte durch Wegzug, aber wir konnten auch neue Mitglieder begrüßen. Das Durchschnittsalter liegt bei 60 Jahren. Ein Thema, das wir angehen müssen, ist, junge Mitglieder zu gewinnen“, sagte Petra Menzel.
Sanierung der Schulen als Top-Thema für Kreisrat Brenner
Dr. Tobias Brenner brachte den Bericht der Kreistagsfraktion, die Themen bezahlbarer Wohnraum und das Frauenhaus, das in Herrenberg angesiedelt werden soll, zur Sprache. Auch die Bildung und die Sanierung der Schulen sei ein „Top-Thema“, sagt Brenner. Den Diskussionspunkten öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und die Krankenhausversorgung werde an anderer Stelle eingehender besprochen. „Wir brauchen eine gute Versorgung. Und die haben wir mit unseren Ärzten.“
Petra Menzel hob die Punkte Flüchtlinge in Herrenberg, Verkehrsplanung, Wohnungsmarkt und als „Uralt-Thema“ Fruchtkasten hervor. Sie zeigte sich erfreut darüber, dass Flüchtlinge aus dem Mittelmeerraum in Herrenberg „einen sicheren Hafen“ haben finden können, und dankte für das Engagement der Mitglieder hinsichtlich einer neuen Bestimmung des Fruchtkastens. Die dort angedachte, potenzielle Begegnungsstätte für Bürger soll mit fast 40 Prozent vom Bund gefördert werden. In Bezug auf den Wohnungsmarkt sei eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft erforderlich. Dies sei geprüft worden und alsbald abstimmungsreif. Hingegen seien die 18 Millionen Euro für den Durchstich von der Horber Straße zur Nagolder Straße nicht gut angelegt worden.
Hans-Jürgen Jüngling und Andreas Kegreiß meldeten sich zum Aischbach-Areal und Radwegenetz zu Wort. Es zeigte sich Diskussionsbedarf. Nach Wortgefechten kam man überein, dass diese Anliegen an anderer Stelle bearbeitet werden sollten.

Der Bund hat schnelle und unbürokratische Finanzhilfen auf den Weg gebracht, um die vom Hochwasser betroffenen Regionen finanziell zu unterstützen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat die Soforthilfen der Länder mit der Beteiligung des Bundes in Höhe von zunächst 200 Millionen verdoppelt. Damit stehen nun 400 Millionen Euro bereit für die Beseitigung unmittelbarer Schäden an Gebäuden und der kommunalen Infrastruktur sowie zur Überbrückung von Notlagen der von den Hochwasserschäden betroffenen Menschen. Weiterhin wird der Bund alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um die bundeseigene Infrastruktur schnellstmöglich dort wiederherzustellen, wo sie beschädigt oder zerstört worden ist.
Viele Menschen und Unternehmen stehen buchstäblich vor den Trümmern ihrer Existenz. Deshalb hat Olaf Scholz auch dafür gesorgt, dass der Zoll Geschädigten in den betroffenen Regionen hilft und für die vom Zoll verwalteten Steuern geeignete Erleichterungen, wie etwa Stundung fälliger oder fällig werdender Steuern oder Absehen von Festsetzungen und Vollstreckungsmaßnahmen, ermöglicht. Zudem hat der Bund zugesichert, sich in erforderlichem Umfang am milliardenschweren Aufbauprogramm zu beteiligen, das nun nötig sein wird, um die Verwüstungen zügig zu beseitigen und die Infrastruktur wiederherzustellen. (Bericht vom 22.07.21)
Nachdem lange Zeit corona-bedingt Präsenz-Veranstaltungen auch im SPD-Ortsverein unterbleiben mussten, fand am 30.07.2021 die Jahreshauptversammlung vor der Grillhütte/im Zelt beim Sportplatz Herrenberg-Oberjesingen statt. Nach Rechenschaftsberichten von Vorstand, Kassier und Kassenrevisoren, Bericht aus den Kreistag und Aussprache folgte der traditionelle Grillabend.
Meine Meinung
Gäubote vom 20.07.2021
Von Sarah Holczer, SPD-Stadträtin in Herrenberg
Jetzt, nachdem wir alle monatelang keine Kultur genießen konnten, bemerken wir, was uns fehlt: „Freiheit ist eine Tochter der Kunst“ (Friedrich Schiller). Wie passend, dass jetzt ein „Kulturkonzept“ der Stadt beraten wird, leider bisher allerdings mehr ein Aufgabenkatalog als ein Konzept. Die Kulturschaffenden müssen besser vernetzt werden, das Kulturangebot muss besser vermarktet werden, mehr Bürgerinnen und Bürger wie bisher müssen Angebote erhalten und die Kulturförderung muss transparenter und effektiver werden.
Alles richtig. Kultur in einer Stadt ist ein Standortfaktor wie Kindergärten und Schulen. Und Kultur ist auch ein ökonomischer Faktor, der Arbeitsplätze und Wachstum schaffen kann. Auch richtig. Kultur ist aber mehr: Sie ist der Kitt einer auseinanderbrechenden Gesellschaft, sie ist kritisches Spiegelbild der Wirklichkeit und weist gleichzeitig über sie hinaus, sie ist der Raum, in dem sich Menschen begegnen und miteinander Neues schaffen. Kinder, die in Corona-Zeiten auf ihr Smartphone zurückgeworfen waren, sind nicht nur einsamer, sondern einfältiger geworden. Digitale Medien polarisieren, in die, die sie aktiv zu nutzen wissen und die, die nur ihre Opfer sind. Gerade kommunale Kultur kann dem entgegenwirken, sie muss überall dort Angebote machen, wo sich die Menschen einer Stadt aufhalten, sie muss zum aktiven Produzieren anregen und Impulse mit interessanten Angeboten setzen. Herrenberg ist da weiter, als das Papier vermuten lässt: Wir haben eine sehr aktive Kulturszene (Jazzin’, Schlossbergkino, Mauerwerk, VHS, Musikschule und Stabi, Sommerfarben, Geschichtswerkstätten, Kulturkreis, Kunstverein, Weihnachtsmarkt, Narrenzunft, Theater und anderes). Im Bermudadreieck zwischen Stuttgart und Tübingen ist es uns noch zu wenig gelungen, eine Kulturnische mit regionaler Ausstrahlung zu finden, noch beteiligen sich zu wenige am Kulturleben, noch verbindet die Kultur zu wenig das diverse Stadtleben. Und das Kulturleben muss professionell begleitet werden, was mit dem neuen Museum zusammen möglich werden könnte. Mit dem vorgelegten Papier ist ein Einstieg in die Diskussion gelungen. Das eigentliche Konzept muss aber noch erarbeitet werden.
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