Wo ist das Suppenhuhn?

Veröffentlicht am 09.12.2018 in Ortsverein
 

Wo ist das Suppenhuhn?

 

Ein seltsamer Titel für einen SPD-Beitrag finden Sie?
Albernes Geblödel gar? Nichts liegt mir ferner!
Am 1. August war er wieder! Der Welt-Ressourcen-Tag.
Jedes Jahr „feiern“ wir ihn früher. Von diesem Tag an
leben wir bis zum Jahresende allein vom unsolidarischen
Diebstahl an unseren Kindern und Enkeln.

 

Die sozialste aller Fragen ist nicht die Frage nach Hartz IV oder bezahlbarem Wohnraum. Die  sozialste aller Fragen ist die Frage, ob wir den Klimawandel und die Ressourcenverschwendung stoppen können. Angesichts der zu erwartenden Klimaflüchtlinge und Kosten für die Folgen der Erderwärmung sowie dramatisch schwindender Ressourcen sollte dies niemand anzweifeln. Die Kosten für die Folgen unserer Art zu leben, werden soziales Engagement unbezahlbar machen und zukünftigen Generationen die Lebensgrundlage nehmen.

Ein einziger heißer, zugegeben sehr trockener Sommer, wie wir ihn laut aller Wissenschaftler immer öfter erleben werden, hat allein 340 Millionen Euro Steuergelder für die Unterstützung der vom Ernteausfall betroffenen Bauern gekostet. Sprit- und Heizölpreise sind nach oben geschossen. Lebensmittelpreise sind gestiegen. Das belastet besonders die sozial Schwächeren. Und es fehlen 340 Millionen an anderer Stelle, mit denen man z.B. rund 1.500 Sozialwohnungen hätte bauen können.

Das Jahr 2018 war erst ein winzig kleiner Vorgeschmack auf die Zukunft!

Wertschätzung und Respekt vor der Schöpfung, Dankbarkeit für die Lebensgrundlagen sind nur noch zynisch anmutende Lippenbekenntnisse unserer "Werte"-Gesellschaft. Selbstgefälligkeit statt Bescheidenheit prägt unser Leben mit den entsprechenden Folgen.
Unser Geiz und unsere Gier verhindern rationales Denken und führen dazu, dass wir nur noch von „Werten“ sprechen, statt danach zu leben.

Das Kilo Schweinefilet im Angebot für 6,99€, Schweinebraten für 1,99€. Billiger als das Brot, das wir zu diesem Schweinedreck essen. Unwürdige Massentierhaltung und grausamste Tiertransporte, Kükenschreddern, betäubungslose Kastration für billigstes Massenfleisch und schamlosen Profit, verbunden mit immenser CO²-Verschwendung.

Wir haben verdrängt, dass Tiere leidensfähige Lebewesen sind. Und wir haben den Bezug zu unseren Lebensmitteln verloren und machen uns keine Gedanken mehr über die natürlichen Zusammenhänge. Aber so bleibt mehr Zeit zum ungenierten Reiben, Fummeln, Stupsen, Wischen, Streicheln - auf dem mit Hühnerstrom geladenen smarten Phone. Und mehr Geld für den Wochenendtripp nach Mallorca.

Suppenhühner sind heute ähnlich selten anzutreffen wie SPD-Wähler. Eine aussterbende Spezies. Verwendet werden sie fast nur noch in der gehobenen Gastronomie (die Suppenhühner!). Weil man da noch weiß, was unersetzbar für eine gute Suppe ist. Wer Eier isst, muss auch Suppenhuhn essen. Eigentlich ganz logisch.
Doch massenhaft billigste Hähnchenbrust wird bevorzugt. Und so werden Millionen von besten Suppenhühnern nach ihrer Legezeit einfach weggeworfen oder sie werden eben zu Hühnerstrom in Biogas-Anlagen (kein Spaß!).

Wir werden die Welt mit dem Suppenhuhn nicht retten. Es steht nur als Stellvertreter der ganzen Misere. Aber wenn wir als Konsumenten ehrlich über die Zusammenhänge nachdenken und den Verstand nicht an der Ladentüre abgeben, können wir in vielen Fällen dazu beitragen, etwas zu verändern. Auf unsere Regierung brauchen wir nicht zu hoffen. Das sieht man am völlig respektlosen Umgang mit den Tieren und den leeren Händen bei der Klimakonferenz in Katowice.

Der weltweite CO2-Ausstoß ist 2018 wieder dramatisch gestiegen. Hauptverursacher ist der Kohlestrom. Deutschland hat fatalerweise seine Vorbildfunktion aufgegeben. Und wer Wälder für die Kohle abholzt, darf sich auch nicht über die Abholzung des Regenwaldes beschweren.

Lobbyarbeit, Klientelpolitik, Geldgier, Egoismus und Verdrängung lassen uns komplett irrational handeln, wohl wissend, was wir unseren Nachfahren antun. Das ist in höchstem Grade unsozial und das Gegenteil von „solidarisch handeln“. Es ist reiner Egoismus. Exzessiver Konsum, häufige Reisen, billigste Lebensmittel stehen über der Frage nach „Leben und Tod“, wie es in Katovice formuliert wurde.

Wer für einen „sozialverträglichen Kohleausstieg“ auf der Bremse steht, hat nichts verstanden und leidet unter einem gefährlichen Realitätsverlust, begleitet von der Unfähigkeit, weiterdenken zu können. Hier wird der Spruch: "Wer bremst verliert" zur bitterbösen Wahrheit. Nur Tempo machen beim Kohleausstieg ist sozial. Das gilt gerade auch für Menschen in anderen Ländern, denen wir durch den Klimawandel schon jetzt ihre Lebensgrundlagen nehmen und die bald zu Millionen hierher flüchten werden. Ein nationales Denken im „jetzt und hier“ ist alles andere als sozial. Es ist kurzsichtiger Etikettenschwindel, asozialer Populismus für ein paar Wählerstimmen. Sozialdemokratie endet nicht an der Landesgrenze. Spätestens, wenn die ersten Klimaflüchtlinge kommen und die Kosten für die Folgen der Erderwärmung explodieren, wird Schluss sein mit leerem Gerede. Erst wenn der eigene Hintern lichterloh brennt, werden wir anfangen, ihn panikartig zu löschen. Aber dann ist es zu spät. Vor allem für die „Schwächeren“ in unserer Gesellschaft.

Wir müssen endlich Platz machen für junge, glaubwürdige Menschen, deren Blick unverklärt in die Zukunft geht und die ihr Handeln unverzüglich radikal danach ausrichten. Für Anachronismus und sentimentales Rückwärtsdenken, wenn das Steigerlied ertönt, ist längst keine Zeit mehr.

Da ich den kurz gedachten Irrsinn unserer Regierungsparteien kaum mehr ertragen kann, denke ich oft: Bitte haltet die Welt an, ich will aussteigen!

Aber Wegrennen gilt nicht. Jetzt ist Eigeninitiative gefragt. Ich werde mich daher zukünftig viel ehrlicher und mit mehr Verstand (im Rahmen meiner Möglichkeiten…) für Klima-, Umwelt- und Tierschutz sowie soziale Belange einsetzen, um meiner Verantwortung als halbwegs zivilisierter Mensch ein wenig gerecht zu werden, statt diese Verantwortung einfach der Politik zuzuschieben. Ich bin sicher, zusammen bekommen wir es hin. Es bleibt uns auch gar nichts anderes übrig!

Und so bin ich zuversichtlich, dass nach diesem Artikel wenigstens die Aidlinger Kinder bald wieder öfters rufen werden:

Yeah…. es gibt Hühnersuppe!!!

Herzlichst Ihr / euer

Jürgen Hepp

 

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