Was wird aus dem Künstlerviertel? Früher war hier richtig was los – Kneipen, Konzerte, Begegnungen auf der Straße. Heute stehen viele Lokale leer. Das Viertel braucht neue Ideen – und genau da kommst Du ins Spiel. Was fehlt? Was wünschst Du Dir? Was wäre nötig, damit das Künstlerviertel wieder lebendig wird?
Rede mit uns – und vor allem miteinander.
- Mittwoch, 9. Juli 2025
- 20 Uhr
- O'Donovans’ Irish Pub, Böblingen
Mit dabei sind Fachleute aus der Stadtverwaltung, Anwohner:innen, Kulturschaffende, Gastronom:innen – und hoffentlich ganz viele wie Du, die Lust haben, mitzugestalten.
Dass man mit viel Liebe und viel Geld auch alten Gebäuden neues Leben einhauchen kann, beweisen die Sanierungen der maroden Häuser an der Hinteren Seestraße. Ich gehe oft diese Straße entlang und sehe, wie langsam aber sicher transformative Fortschritte erzielt werden und Häuser, die vom Abriss bedroht waren, zu begehrten modernen Eigenheimen geworden sind. Eines meiner Lieblingshäuser war schon immer das Tagelöhnerhaus. Wäre ich vor ein paar Jahrhunderten in Waldenbuch geboren worden, hätte meine Familie in einem solchen Haus leben müssen. Aber immerhin gab es ein Haus, auf das die weniger begüterte Arbeiter zurückgreifen konnten.
Unter diesem Tagelöhnerhaus verläuft ein kleines Gässle. Als meine Kinder klein waren, fanden sie es lustig, durch den kleinen Tunnel hin und her zu rennen oder vor mir herzulaufen und sich im Tunnel zu verstecken und herauszuspringen, wenn ich sie eingeholt hatte. Es war eine kleine Besonderheit. Bis vor wenigen Jahrzehnten befand sich dort, wo heute die Vordere Seestraße verläuft, eine weitere Häuserreihe: “Im Gässle” oder „Die Banane“, wie sie wegen ihres Knicks scherzhaft genannt wurde. Irgendwann in den 1980er Jahren konnte diese Häuserreihe mit dem zunehmenden Autoverkehr nicht mehr mithalten. Die gesamte Reihe wurde abgerissen und ist heute eine asphaltierte Straße. Das Gässle führte zur Banane.
Ich hatte schon immer eine lebhafte Fantasie und habe mich oft über dieses Gässle gewundert. In meiner Vorstellung war es eine schnelle Form der Kommunikation in den Tagen, als niemand oder kaum jemand ein Telefon hatte. Wenn man in der Hinteren Seestraße wohnte und jemanden in der Marktstraße besuchen oder ihm etwas mitteilen wollte, konnte man Zeit sparen, indem man durch das Gässle huschte, anstatt den ganzen Weg herumzulaufen. Ich nehme an, die Gassen waren eine Art Kommunikationsautobahn oder Breitband-Internet der damaligen Zeit. Ich stelle mir vor, dass das Gässle noch andere Funktionen hatte. Vielleicht gab es Waldenbucher, die in diesem kleinen Tunnel auf dem Weg von der Schule zum Marktplatz ihren ersten Kuss mit einem Klassenkameraden stahlen. Die Gasse war ein guter Ort, um jemanden aufzulauern und ihm sein Taschengeld zu stehlen. Vielleicht trafen sich die Menschen im Schutz der Dunkelheit im Gässle, um in schwierigen politischen Zeiten heimlich Dinge zu besprechen. Vielleicht beobachteten die Menschen vom Schutz dieses Gässles aus feindliche Flugzeuge oder suchten dort einfach Schutz vor einem Regenschauer. So viele Fragen, deren Antworten wir nie finden werden.
Die Hauptfunktion unseres Gässles war offensichtlich Bequemlichkeit und schnellere Kommunikation in einer Welt, in der in Waldenbuch jeder jeden kannte und Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen von Angesicht zu Angesicht ausgetragen und gelöst wurden. Die Welt war trotz der Strapazen weniger einsam als heute.
Ich weiß nicht, was mit unserem letzten verbliebenen Gässle geplant ist. Ich nehme an, dass es zugeschüttet wird und Teil der geplanten Renovierungsarbeiten wird, und dass die Leute allmählich vergessen werden, dass es jemals dort war.
Schade, das ist Fortschritt, aber ich bin ein hilfloser Romantiker. Zukünftige Bewohner der Häuser in der Seestraße werden keine Ahnung davon haben, dass unter ihren Füßen oder vor ihrem Fenstern ein Kommen und Gehen von Menschen stattfand, die ihrem Alltag in einer Welt nachgingen, die es längst nicht mehr gibt.
Mötzingen, im Juni 2025
Mit tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Hans Schmid, einem engagierten Mitbürger, Sozialdemokraten und Menschenfreund, der im Alter von 89 Jahren verstorben ist.
Hans Schmid war ein Mensch, der seine Ideale lebte – mit Tatkraft, Haltung und einem feinen Sinn für soziale Verantwortung. 1939, als kleiner Junge, musste er sein Heimatdorf bei Ulm verlassen und kam in ein Waisenhaus nach Stuttgart. Trotz schwerer Anfangsjahre meisterte er seinen Weg mit bemerkenswerter Entschlossenheit. Er absolvierte eine Ausbildung zum Mechaniker und bestand mit 25 Jahren die Meisterprüfung.
Sein berufliches Wirken war geprägt von der Überzeugung, jungen Menschen eine faire Chance zu geben. Als Werkstattleiter im Hildrizhausener Waldhaus setzte er sich für Jugendliche ein, die es im Leben nicht leicht hatten. „Den Jugendlichen zu einer ordentlichen Ausbildung zu verhelfen, obwohl sie die Schule vorzeitig verlassen haben, war mir immer wichtig“, sagte er einst.
1958 trat er der SPD bei – anfangs aus ganz praktischen Gründen, doch mit der Zeit wurde die politische Arbeit zu seiner Leidenschaft. Gemeinsam mit seiner Frau Regina war er über Jahrzehnte hinweg politisch aktiv – ob bei Menschenketten, Demonstrationen oder beim Kampf gegen ungerechte Entscheidungen. Trotz mancher Anfeindungen blieben beide standhaft, mutig und überzeugt von ihrer Sache.
In Mötzingen bauten sie sich ihr Zuhause auf – bescheiden, geradlinig und geprägt vom Wunsch nach einem gerechten Miteinander. Nach dem Ruhestand verbrachten Hans und Regina viele Jahre auf Kreta, wo sie sich liebevoll um verwaiste Tiere kümmerten.
Hans Schmid war ein leiser Held des Alltags. Einer, der anpackte, wenn es nötig war. Einer, der seine Ideale nicht nur predigte, sondern lebte. Für seine 65-jährige Treue zur SPD wurde er mit Ehrennadel und Urkunde geehrt – und mit dem Respekt vieler Wegbegleiter.
Wir werden ihn in liebevoller Erinnerung behalten – als Kämpfer, Helfer und herzensguten Menschen. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Regina und allen, die ihm nahestanden.
In stillem Gedenken.
OV Mötzingen
"Meine Meinung" von Petra Menzel 20. Juni 2025 im Gäuboten
Klimawandel und Waldsterben halten wir nicht auf, wenn wir nur auf Windkraft aus dem Norden setzen. Die Nutzung eines vergleichsweise kleinen Teils unseres Stadtwalds für Windenergie als Katastrophe zu beklagen, greift zu kurz. Um CO2-neutral Energie für Mobilität, Wärme und Digitalisierung zu erzeugen, bleiben nur Sonne, Wind und Wasserkraft. Ein Zurück zur Atomkraft kann niemand ernsthaft wollen; die Suche nach Endlagerstandorten für Atommüll, die es nach dem ersten Suchlauf der Bundesgesellschaft für Endlagerung auch in Herrenberg gibt, ist bislang noch ohne Ergebnis.
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