Gäubote vom 24.11.2022
Meine Meinung
Von Petra Menzel, SPD-Stadträtin in Herrenberg
Chefplaner Thomas Kiwitt hat im Gemeinderat den Wohnungsmangel in der Region Stuttgart aufgezeigt. Was die Statistik nüchtern belegt, erleben alle, die als Rentnerin, Normalverdiener oder Berufsanfänger auf Wohnungssuche sind.
Unternehmen finden dringend benötigte Fachkräfte nur, wenn auch der Wohnungsmarkt stimmt. Gebaut wird seit Jahren vor allem am Rand der Region, mit geringer Dichte, Flächenverbrauch und der Folge von mehr Autoverkehr. Herrenberg als Mittelzentrum mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr muss seinen Beitrag gegen diese Zersiedelung leisten.
Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung. Viele Baulücken in der Stadt sind inzwischen geschlossen, oft in hoher Dichte. Herrenberg-Süd als Neubaugebiet wird von manchen abgelehnt, obwohl es der beste Standort für eine Stadterweiterung mit kurzen Wegen zur Innenstadt, zu Schulen und Sportanlagen ist. Als Alternative wird auf die Innenentwicklung verwiesen. Die Bebauung von Lücken im Bestand ruft ihrerseits Gegner auf den Plan, die den Verlust von Grün und freier Sicht beklagen, mehr Verkehr in ihren Quartieren befürchten und gegen die Nachverdichtung vorgehen. Die Antwort lautet, dass wir beides brauchen, um ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Herrenberg-Süd, als konsequent ökologischer und grüner Stadtteil ist eine Chance. Innenentwicklung ist kein Freibrief, Flächen bis zum letzten Quadratmeter zu überbauen. Je dichter, desto mehr Qualität durch geschützte private Bereiche, grüne Dächer und Fassaden und ökologisch wirksame Freiflächen sind nötig. Ein Netz von Stadtbiotopen auf öffentlichen und privaten Flächen muss das Ziel sein. Wir müssen Grünkonzepte entwickeln, in die sich die Bebauung einfügt, und nicht umgekehrt. Der Schutz von Klima und Artenvielfalt ist darüber hinaus auch im Bestand und nicht nur dort, wo neu gebaut oder nachverdichtet wird, zwingend geboten. Herrenberg hat innen wie außen viele Po tenziale für ein besseres Grün.

Einladung zur Bürger*innensprechstunde der Bundestagsabgeordneten Jasmina Hostert.
Am Montag, den 05.12.2022 können interessierte Bürgerinnen und Bürger, wahlweise per Zoom-Videokonferenz oder per Telefon, Ihre Fragen an die Bundestagsabgeordnete stellen. Frau Hostert wird sich von 17:30 bis 19:30 Zeit nehmen um die Anliegen zu beantworten. Um einen reibungslosen Ablauf der Bürger*innensprechstunde zu garantieren, ist eine Voranmeldung per E-Mail oder Telefon erforderlich: Bitte melden Sie sich unter wahlkreis@jasmina-hostert.de oder 07031/2850284 an.
In der Vorstandssitzung des Ortsvereins hatte der Vorsitzende, Dieter Keiper, die Ehre und Freude, im Namen der SPD, ihrem langjährigem Mitglied Ingrid Seitter für 25 Jahre Treue zur SPD herzlich zu gratulieren und zu Danken.
Für die aktive Mitarbeit wurde Ingrid die Urkunde und Brosche mit der Hoffnung überreicht noch viele Jahre für den Ortsverein tätig zu bleiben.
Alles Gute und viel Gesundheit wünschen deine Genossinnen und Genossen.
Am Montag, den 05.12.2022 können interessierte Bürgerinnen und Bürger, wahlweise per Zoom-Videokonferenz oder per Telefon, Ihre Fragen an die Bundestagsabgeordnete stellen. Frau Hostert wird sich von 17:30 bis 19:30 Zeit nehmen um die Anliegen zu beantworten. Um einen reibungslosen Ablauf der Bürger*innensprechstunde zu garantieren, ist eine Voranmeldung per E-Mail oder Telefon erforderlich: Bitte melden Sie sich unter wahlkreis@jasmina-hostert.de oder 07031/2850284 an.
Ein schrecklich großes Abenteuer
Die Familie Goodwin aus Blackpool hatte bis 1914 6 Kinder.
3 Söhne und drei Töchter.
Zwei der Söhne hatten das Pech, Mitte der 1890er Jahre geboren zu sein und damit im Rekrutierungsalter, als Lord Kitchener 1914 an den patriotischen Geist der männlichen Jugend Großbritanniens appellierte. Joseph, geboren 1897, und Josiah Goodwin, geboren 1895, meldeten sich zusammen mit Hunderten ihrer Schulfreunde und Nachbarn beim Kings Own Royal Lancaster Regiment.
Josiah war 20 Jahre alt. Nach seinem Schulabschluss war er wie sein Vater zur Eisenbahn gegangen. Er lebte mit seinen Eltern und seinen Geschwistern in einem gemieteten Haus mitten in Blackpool. Als er dem Ruf zum Dienst folgte, war er nie weit von Blackpool entfernt gewesen, hatte nie eine Freundin gehabt - seine Freiheiten waren wie die der meisten seiner Arbeiterklasse Generation auf die lokale Umgebung beschränkt. Vielleicht waren die Aussichten, die Welt jenseits von Lancashire zu sehen, aufgrund der vielen Versprechungen der Machthaber zu groß, um ihnen zu widerstehen, und Joseph und Josiah glaubten wirklich an das allgemeine Mantra, dass "bis Weihnachten alles vorbei sein würde", also meldeten sie sich und gaben ihre Freiheiten auf.
Und so zogen sie los. Es ist schwer zu sagen, wie lange der Enthusiasmus der Brüder anhielt und wann ihnen klar wurde, dass a) der Krieg nicht bis Weihnachten vorbei sein würde und b) die Sache nicht so glorreich war, wie die Propaganda suggeriert hatte.
Im Januar 1915 verließen sie England. Im April 1915 kämpften sie in Ypern zum ersten Mal gegen den Feind. Vielleicht war dies der Zeitpunkt, an dem die erste Ernüchterung eintrat, da sie nicht weit von ihren britischen Inseln entfernt so viel Schrecken und Elend erlebten. Im Oktober 1915 wurden sie nach Ägypten verlegt, und im Januar 1916 wurden sie nach Thessaloniki versetzt, wo sie an verschiedenen Einsätzen an der mazedonischen Front beteiligt waren, um Serbien beizustehen.
Ich frage mich, welche Geschichten sie zu erzählen hatten, als sie während ihrer Zeit in Griechenland und Mazedonien auf Heimaturlaub waren. In jenen Tagen reiste keine Arbeiterfamilie weiter als bis zum nächsten Badeort, und Joseph und Josiah waren tatsächlich in einem solchen aufgewachsen. Manchester war wahrscheinlich die größte Stadt, die sie je gesehen hatten, und die weiteste Entfernung, die sie je zurückgelegt hatten, und nun waren ihre ältesten Söhne und Brüder hier und erzählten Geschichten aus Ägypten. Sie hatten keine Vorstellung davon, was ein Österreicher oder ein Deutscher war, aber ihre Jungs waren im Land der Pharaonen gewesen.
Sie blieben in Saloniki fast drei Jahre lang. Wir gehen davon aus, dass Josiah Goodwin im Mai 1917 verletzt wurde und am 23. Juni 1917 im Lazarett in Sarigol starb, wo er auf dem dortigen Soldatenfriedhof beigesetzt wurde.
Er hatte Blackpool im Alter von 20 Jahren verlassen, um nach Frankreich, Belgien, Ägypten und schließlich Griechenland zu reisen, aber nicht wie ein junger Mensch in seinen 20ern, wie wir ihn heute kennen, der seine Bewegungsfreiheit zwischen Schule und Universität nutzt und moderne Transportmittel einsetzt, um die Welt zu sehen, sondern als Soldat, der unter dem Befehl steht, unvorstellbare Schrecken zu erleben, die die meisten 20-Jährigen heutzutage nur aus Computerspielen kennen.
Der Leichnam von Josiah liegt seit über 100 Jahren in der unglaublich schönen Region von Thessaloniki. Sein Bruder Joseph, der die Schrecken mit ihm teilte und als greiser 22-Jähriger nach Blackpool zurückkehrte, ist der einzige Verwandte, der seine Ruhestätte gesehen hat, nachdem er in den 1960er Jahren dorthin zurückgekehrt war, um endlich den Ort zu sehen, an dem Josiah schläft.
Wilfried Owen, einer der berühmtesten britischen Dichter des Ersten Weltkriegs, schrieb in seinem Gedicht "Disabled" über den Kampf, den ein junger Soldat und ehemaliger Sportler zu bestehen hatte, als er ohne Beine und mit einem Arm ins zivile Leben zurückkehrte. Ein Soldat, der für die Freiheit seines Landes kämpfte und dies mit seiner persönlichen körperlichen und geistigen Freiheit bezahlte. Die Soldaten und ihre Familien trugen die Wunden des Traumas dieses großen Krieges, von dem sie alle geglaubt hatten, er würde ihre absolute Freiheit sichern. Wilfried Owen selber verstarb tragischerweise knapp eine Woche vor dem Waffenstillstand am 4.November 1918 an einem Schuss eines Feindlichen Scharfschützen
Ich bin mir sicher, dass Josiah überrascht und erfreut wäre, wenn er die Freiheiten sehen könnte, die wir heute in Europa genießen. Die Freiheit zu leben, zu lieben, zu reisen und zu denken, wie wir wollen. Die Freiheit und die Möglichkeit, eine Deutsche zu heiraten, ohne darüber nachzudenken. Ich hoffe, er würde lächeln, wenn er erfährt, dass sein Ur-Ur-Neffe eine Frau geheiratet hat, deren Familie aus dem Land stammt, das an das Land grenzt, in dem er die letzten 105 Jahre gelegen hat.
Elaine Rauhöft

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