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SPD im Kreis Böblingen

Udo Lutz: „Streik logische Konsequenz“

AfA Baden-Württemberg unterstützt Streik in den Kitas und fordert Aufwertung der Sozialberufe

Udo Lutz: „Streik logische Konsequenz“


Die SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) Baden-Württemberg spricht sich für den am 08.05.15 beginnenden Streik der Erzieherinnen und  Erzieher in den Kindertagesstätten aus. Mit dem Streikaufruf von dbb, GEW und ver.di bleiben in Baden-Württemberg etwa 300 kommunale Kindertagesstätten geschlossen.

„Die Anforderungen an die Beschäftigten in Kitas werden immer größer. Die vorschulische Bildung ist ein wichtiger Bestandteil für die Entwicklung unserer Kinder. 

Im Gegensatz zu früher beginnt das lebensbegleitendes Lernen nicht mit 6 Jahren, sondern mit der Geburt. Wenn wir das Beste für unseren Nachwuchs wollen, muss die Gesellschaft dafür Sorge tragen, dass die Erzieherinnen und Erzieher ein anständiges Gehalt beziehen. Der Wert ihrer Arbeit muss sich vor allem auch monetär wiederspiegeln. Ansonsten wird sich auf Dauer kein geeignetes Personal für diese beachtliche Arbeit finden. Um das Verständnis hierfür zu stärken ist der Streik die logische Konsequenz. Die kommunalen Träger sind in der Pflicht die Tag für Tag bedeutende Arbeit in den Kitas dementsprechend zu entlohnen. 

Die Kommunen haben eine Vorbildfunktion und dürfen kein Lohndumping auf dem Rücken der Kinder austragen!“, erklärte der AfA-Landesvorsitzende Udo Lutz. 

Generell wünscht sich die AfA Baden-Württemberg eine Aufwertung der Sozialberufe. „Die Arbeit mit Menschen muss menschwürdig bezahlt werden!“, so der Landesvorstand einstimmig. Aus diesem Grund wird auch die ver.di-Kampagne „Aufwerten Jetzt!“ unterstützt. Dort wird auf die unverhältnismäßige geringe Bezahlung im Sozialbereich hingewiesen.

Weitere Informationen zur Kampagne sind auf www.soziale-berufe-aufwerten.de zu finden.

Angemessene Eingruppierung zwingend notwendig

Leserbrief Böblinger Kreiszeitung Ausgabe vom 09.05.2015

Walter Wedl, katholischer Betriebsseelsorger für die Beschäftigten im Landkreis Böblingen


Angemessene Eingruppierung zwingend notwendig

Zum Thema „Streik in den Kindertagesstätten“.

Unbestreitbar hat sich das Aufgabenspektrum von Erzieherinnen in Kindertagesstätten erheblich erweitert. Frühkindliche Bildung, Sprachförderung, Bewegungs- und Gesundheitserziehung, Inklusion, der wertschätzende Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen, die Vernetzung mit Institutionen und Ämtern erfordern breite Kompetenzen. Zudem sehen sich Erzieherinnen gestiegenen Ansprüchen von häufig überforderten) Eltern und Schulen gegenüber.

Die im Orientierungsplan geforderten Standards sind hoch. Erzieherinnen sind gehalten, die Entwicklung der Kinder in ihren Einrichtungen präzise zu dokumentieren und daraus Handlungsempfehlungen für Eltern und Schulen zu formulieren. Verlängerte Öffnungszeiten und Ganztagesbetreuung erfordern ein hohes Maß an Flexibilität. Und weil die Teams personell oft unterbesetzt sind, hat sich die Arbeit in den Kindertageseinrichtungen so verdichtet, dass viele an der Belastungsgrenze arbeiten. Im deutlichen Widerspruch zur gestiegenen Bedeutung der Arbeit in den Kindertagesstätten steht deren gesellschaftliche Anerkennung. Die Entlohnung der Arbeit entspricht schon lange nicht mehr dem, was in der täglichen Arbeit von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefordert ist. Die Anerkennung durch Eingruppierung in eine angemessene Entgeltstufe ist daher zwingend notwendig. Schon jetzt zeichnet sich der Fachkräftemangel ab und wenn sich die Rahmenbedingungen nicht verbessern werden, kann weder die Qualität so erhalten werden, noch das Berufsbild an Attraktivität gewinnen.

Wir Betriebsseelsorger unterstützen den Streik der Erzieherinnen und die Forderungen im Tarifkonflikt, denn sie sind mehr als berechtigt! Dass die Verhandlungsführer der Trägerseite die gestiegenen Anforderungen in den Kindertagesstätten offen und öffentlich nicht zur Kenntnis nehmen, ist unverständlich. 

Wir fordern sie auf, mutig einen Schritt auf die vernachlässigte Gruppe der Erzieherinnen zu tun und ihnen die Anerkennung zukommen zu lassen, die sie längst
verdienen. Die Strategie, die auf Betreuungsplätze angewiesenen Eltern gegen die Streikenden in Stellung zu bringen und damit den Erzieherinnen öffentlich Druck zu machen, halten wir schlicht für unmoralisch. Es muss endlich öffentlich sichtbar werden, dass eine qualifizierte Arbeit in den Kindertagesstätten einen angemessenen „Wert“ hat. 

Walter Wedl, katholischer Betriebsseelsorger für die Beschäftigten im Landkreis Böblingen

1. Mai Kundgebung in Sindelfingen

 

 

Liebe Genossinnen und Genossen der SPD im Kreis Böblingen, am Freitag 1.Mai findet die jährliche Kundgebung des DGB Kreisverband Böblingen in Sindelfingen statt.

Wie in jeden Jahr beteiligt sich die AfA und JUSO AG und weitere SPD-Mitglieder am Demonstrationszug und der anschließenden Kundgebung. Ab 10:30 Uhr trifft sich die AfA am Sindelfinger Bahnhof.

Wir würden uns freuen, wenn die SPD mit vielen Genossinnen und Genossen dabei wäre. Wenn Ihr SPD-Fahnen habt, bitte mitbringen.
 

Georg 

AfA Kreisvorsitzender

Link zur DGB Einladung

http://nordwuerttemberg.dgb.de/++co++9369513c-d582-11e4-ab9f-52540023ef1a

 

 

DGB Kundgebung 1.Mai 2015 in Sindelfingen

10:00    Gottesdienst im Haus der Betriebsseelsorge Vaihinger Str. 24 
 
11:00   Demonstrationszug ab Bahnhof 
 
11:30   Kundgebung 
 
Helmut Roth 
Vorsitzender DGB-Kreisverband Böblingen 

 

Uwe Meinhardt 
1. Bevollmächtigter IG Metall Stuttgart 

 
bis ca.16:00  Mai-Fest mit Bewirtung Infostände, Kinderprogramm Blue Seventh 
(Jazz- und Rhythm & Soul-Band) 

 

 

Schriftwechsel Mindestlohn und Arbeitszeitgesetz Dr. Jürgen Werner / Claus Schmiedel

 


Gesendet: Donnerstag, 26. Februar 2015 um 16:47 Uhr
Von:  (Jürgen Werner)
An: ****************
Betreff: Kontakt
Name: Dr. Jürgen Werner
Email:   (Jürgen Werner)
Nachricht: Lieber Kollege und Pateigenosse Schmiedel,

mit großem Befremden habe ich eine Äußerung von Ihnen zur Kenntnis genommen. Laut DGB sollen sie gesagt haben:

„Mir ist bewusst, dass es gerade im Catering-Bereich oder bei kleineren Betrieben nicht so einfach ist, die Begrenzung auf zehn Stunden Arbeitszeit einzuhalten. Gerade für die muss es Ausnahmen geben.“

Jetzt möchte ich bei Ihnen nachfragen, ob Sie das wirklich gesagt haben. Falls ja, möchte ich mein großes Befremden darüber zum Ausdruck bringen !!! 

Gerade die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die besonders ausgebeutet  werden wie im Gastronomie-Bereich, brauchen den besonderen Schutz der Gewerkschaften und auch der SPD. Ich darf Sie daran erinnern, dass die SPD einmal die Partei der Arbeiter und abhängig Beschäftigten war. Es wäre schön, wenn zumindest Einige in der SPD sich von Zeit zu Zeit daran erinnern würden !!

Das Arbeitszeitgesetz in der heutigen Form ist dringend notwendig. 10 Stunden Arbeit am Tag sind genug. Es müsste nur mehr darauf geachtet werden, dass es auch eingehalten wird.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Jürgen Werner
71063 Sindelfingen

Mitglied des Betriebsrates der Daimler AG, Mercedes-Benz Werk Sindelfingen
Mitglied der Delegiertenversammlung der IG Metall Verwaltungsstelle
Stuttgart

 


From: Claus.Schmiedel@spd.landtag-bw.de
Sent: Monday, March 02, 2015 8:28 PM
To:   (Jürgen Werner)
Subject: Arbeitszeitgesetz
 
Lieber Jürgen Werner,
 
vielen Dank für Deine Nachricht vom 26. Februar 2015, zu der ich gerne Stellung nehme.
 
Es gibt bereits heute notwendige Ausnahmen beim Arbeitszeitgesetz, z. B. bei Erntezeiten in der Landwirtschaft oder beim Beschicken von Weihnachtsmärkten. Seit eineinhalb Jahrzehnten wird in zahlreichen Fällen in der Gastronomie gegen das Arbeitszeigesetz verstoßen, weil kleinere Betriebe nicht wie die Daimler AG mehrere Schichten fahren können, wenn die Veranstaltungen längere Anwesenheiten erfordern. Die Konsequenz wäre, dass kleinere Betriebe bestimmte lukrative Aufträge – die im Übrigen auch Arbeitsplätze sichern und eine angemessene Entlohnung ermöglichen – nicht mehr annehmen könnten.
 
Deshalb hat der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA das Thema „Flexibilisierung der Arbeitszeit“ für die anstehenden Tarifverhandlungen angemeldet. Dabei geht es der DEHOGA und auch mir nicht darum, dass die Kolleginnen und Kollegen regelmäßig Überstunden am Stück arbeiten, sondern dass dies in begründeten Fällen ausnahmsweise mal der Fall sein kann. Mehr habe ich nicht gesagt. Ich hoffe, ich konnte Dir meine Beweggründe für meine Äußerungen darlegen.
 
Herzliche Grüße

Claus
 
 
Claus Schmiedel
Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion

 


From: Jürgen Werner
Sent: Sunday, March 08, 2015 8:25 PM
To: Claus.Schmiedel@spd.landtag-bw.de
Subject: Re: Arbeitszeitgesetz
 
Lieber Parteigenosse Schmiedel,
 
vielen Dank für Deine Antwort, die mich allerdings nicht zufrieden stellt. Natürlich sind die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie (wie in einigen anderen Branchen auch) in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach unten gegangen. Aber die Antwort kann doch nicht sein, dass wir dann Gesetze aufweichen, die zum Schutz der Beschäftigten gemacht wurden. Im Gegenteil: die Arbeitsbedingungen in Branchen wie beim Bau, im Reinigungsgewerbe, der Gastronomie, im Einzelhandel müssen wieder verbessert werden! Schuld an diesem Niedergang ist vor allem die Ausweitung der Leiharbeit und der Werkverträge. Es ist eine ewige Schande für die Sozialdemokratie, dass ausgerechnet ein ehemaliger Sozi, der damalige Arbeitsminister Wolfgang Clement, die Schleusen geöffnet hat, die dann zu Lohndumping und zur Abwärtsspirale bei den Arbeitsbedingungen geführt haben. Kurz darauf heuerte Clement bei einer der größten Leiharbeitsfirmen an. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ich will den Politikern, die damals im Bundestag für dieses Gesetz gestimmt haben, durchaus zugute halten, dass sie damals die Arbeitslosenzahlen senken wollten. Doch nachdem alle gesehen haben, wohin das jetzt geführt hat, geht niemand her, um diese Auswüchse bei Leiharbeit und Werkverträgen zu korrigieren. Das kann ich absolut nicht verstehen!
 
Es kann doch nicht sein, dass die Zahl der prekär Beschäftigten ständig zunimmt und dass immer mehr Menschen bei einer vollen Arbeitsstelle zusätzlich Hartz IV beantragen müssen. “Gute Arbeit ist ihres Lohnes Wert”, wo bleibt denn da die Menschenwürde? Arbeitsplätze um jeden Preis zu halten, das kann nicht die Parole sein. Mindeststandards müssen eingehalten werden. Jeder muss bei Vollzeitarbeit von seiner Hände Arbeit leben können ohne Aufstockung!
 
Im Einzelhandel nimmt die Zahl der Vollzeitarbeitsverhältnisse ständig ab. Als ich Unterlagen der Betriebsseelsorge über dieses Thema an Guido Wolf (CDU, damals Landtagspräsident) übergab, äußerte er mir gegenüber schriftlich seine Betroffenheit. Der Bischof von Rottenburg hat sich bei mir quasi dafür entschuldigt, dass auch die katholische Kirche Leiharbeiter beschäftigt (die evangelische übrigens auch), als ich ihm das auf einem Betriebsräteempfang vorhielt. “Wir müssen konkurrenzfähig bleiben”, so die Begründung. Und wo bleibt der Aufschrei der SPD bei dieser immer weiter nach unten gehenden Spirale? Am Schlimmsten ist es wohl in der Baubranche mit ihren Sub-Sub-Sub-Sub-Unternehmern. Und am Ende arbeiten quasi-Sklaven aus osteuropäischen Staaten, zusammengepfercht in Unterkünften, in denen wir beide nicht einmal eine Nacht verbringen möchten. Sie werden oft genug um ihren Lohn geprellt und haben ein höheres Risiko, einen Arbeitsunfall zu erleiden (können oft nicht mal gebrochen Deutsch, wie soll man ihnen da den Arbeitsschutz erklären?). Frag mal den DGB-Landesvorsitzenden Landgraf, der kennt sich da aus. Oder frage die Betriebsseelsorger wie Paul Schobel. Wolfgang Hermann oder Walter Wedl. Im Weihnachtsgottesdienst im Arbeiterzentrum wurde für einen ausländischen Kollegen gesammelt, der auf einer Baustelle einen Unfall hatte und nun querschnittgelähmt ist, während seine Frau zu Hause ein Kind erwartet. Was sagt die SPD zu den Zuständen im Schlachtgewerbe, wo ebenfalls Gastarbeitssklaven für 4 Euro die Stunde im Akkord arbeiten, während sich der Firmeninhaber einen eigenen Fußballverein leistet. Arbeitsunfälle solcher Werksvertrags-Sklaven tauchen übrigens nicht in der Statistik des Schlachtbetriebes auf, weil es keine eigenen Mitarbeiter und keine Leiharbeitnehmer sind, da ist der Betrieb fein raus. Die Betroffenen werden einfach schnell heim geschickt, quasi entsorgt.
 
Es gäbe also viel zu tun für eine Partei, die sich eigentlich der kleinen Leute annehmen sollte und für soziale Gerechtigkeit eintreten sollte. Doch die SPD wurstelt sich so durch in großen Koalitionen, statt sich an die Spitze einer Bewegung für soziale Gerechtigkeit zu setzen. Das darf doch nicht an Altmännerfeindschaften zwischen Linken und SPDlern scheitern! Der letzte große charismatische Vorsitzende und Vordenker der SPD mit Visionen war Willy Brandt. “Wir wollen mehr Demokratie wagen”, damit begeisterte er die Bürger und gewann Wahlen. Ich wünsche mir sehr eine neue charismatische Führungsperson mit Visionen in der SPD, die mit einer Parole wie “Wir wollen mehr soziale Gerechtigkeit wagen” in Wahlkämpfe zieht, die Missstände beim Namen nennt und echte Alternativen zum Neo-Liberalismus und zum Raubtierkapitalismus aufzeigt. Wir sollten nicht über die Existenz der “Linken” jammern, sondern glaubwürdig Themen wie “Soziale Gerechtigkeit” besetzen und den “Linken” damit die Wähler abjagen. Statt dessen soll das Arbeitszeitgesetz weiter ausgehöhlt werden, dass heute schon sehr viel schwächer ist als in anderen Ländern wie Frankreich. Damit kommen wir bundesweit nicht wieder über 30%, sondern es geht eher noch weiter bergab.
 
Nicht mit mir, lieber Genosse Schmiedel! Heute hatten wir einen ver.di-Brunch in den Räumen der Evangelischen Betriebsseelsorge, in der Paul Schobel und Sybille Stamm zum Thema “Arbeitszeit – Lebenszeit” vorgetragen haben. Ich soll von allen Teilnehmern ausrichten, dass wir uns gegen eine weitere Verwässerung des Arbeitszeitgesetzes aussprechen.    
 
Mit freundlichen Grüßen von Jürgen Werner aus Sindelfingen
 
 

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